„Die Macht sei mit euch!“ und zwar wortwörtlich, denn wer im Bereich Kommunikation arbeitet, hat Macht. Die Einstellung der Menschen zu bestimmten Themen kann indi­rekt durch die vielen Möglichkeiten der Kommunikationswelt gelenkt werden. Während die eine Kommunikationsstrategie darauf abzielt, von der Unverzichtbarkeit eines Pro­duktes zu überzeugen, möchte die andere, Menschen warnen und ihnen helfen. Edel­mütige Absichten, die manchmal einen bitteren Beigeschmack haben. Denn oftmals ist die Kommunikationsarbeit, gerade zu gesundheitlichen Themen, sehr einseitig.

AIDS? Nein, Danke.
Ein Musterbeispiel dafür ist die Öffentlichkeitsarbeit im Bereich HIV/AIDS. Wenn man diese beiden Begriffe aufschnappt, bekommt man ein banges Gefühl. Man möchte Abstand nehmen, sich davor schützen und damit nichts zu tun haben. Die häufigste Übertragung der Viren geschieht bei ungeschütztem Geschlechtsver­kehr. Und wie kann man das verhindern? Jeder kennt die Antwort. Über die Vermitt­lung von Präven­tionsmaßnahmen gegen HIV wird gute und ausreichende Kommuni­kationsarbeit ge­leistet. Jeder weiß, dass es eine ansteckende Infektionskrankheit ist. Jeder weiß, dass diese nicht heilbar ist. Jeder weiß natürlich auch, dass die Verwen­dung von Kondo­men vor einer Ansteckung schützen kann. Aber was ist, wenn man sich doch ange­steckt hat? Was ist, wenn man plötzlich auf der anderen Seite steht?

Abgestempelt und Aussortiert
Einmal geoutet, folgt in vielen Fällen die soziale Ausgrenzung. Der Freundes­kreis verringert sich und somit auch die psychische Unterstützung die man benötigt. Man wird abgestempelt und gemieden und das Umfeld ist nicht einmal direkt schuld daran. Wenn man sein Leben lang eingetrichtert bekommt, dass AIDS gefährlich, an­steckend und nicht heilbar ist, man alle Maßnahmen ergreifen soll, sich zu schützen und nicht zu infizieren, ist es dann nicht eine logische Schlussfolgerung, von einem Menschen Abstand zu nehmen, der das HIV-Virus in sich trägt?

Kein Publikum, aber großes Kino
Was der Großteil der Bevölkerung nicht wahrnimmt, ist, dass es heutzutage The­rapie­möglichkeiten für Betroffene gibt, die ihnen ein normales Leben ermögli­chen können und gut therapierte HIV-positive Menschen kein gesundheitliches Risiko mehr darstel­len.

Bereits vor mehr als 20 Jahren gelang Wissenschaftlern ein großer Schritt in der AIDS-Forschung, als eine funktionsfähige HIV-Therapie entwickelt werden konnte. Durch diese wird die Viruslast im Körper von Infizierten so gering, dass sie unter die Nach­weis­grenze fällt und auch nicht weitergegeben werden kann. Somit könnte ungeschütz­ter Geschlechtsverkehr mit einem, nach den neusten Standards, gut therapierten HIV-positiven Menschen nicht zu einer vor einer HIV-Ansteckung führen.

Auch kämpfen Wissenschaftler seit mehreren Jahrzenten für eine Chance auf Heilung von Infizierten. Die Palette an vielversprechenden Strategien reicht von Antikörpern gegen HIV-Viren, über Therapien mit HIV-immunen Stammzellen bis hin zu dem Her­ausschneiden des schädlichen Erbgutes im Virus mithilfe einer Art biologischer Mini­schere namens Rekombinase. Ziel ist dabei, die „Reservoir-Zellen“, in denen sich das Virus versteckt und darauf wartet auszubrechen, zu beseitigen. Die Ansätze sind da, aber der erhoffte endgültige Sieg gegen das Retrovirus wurde noch nicht erlangt.

Nur wenige engagieren sich für Betroffene
Trotz dieser Errungenschaften der Medizin, können Betroffene aus Angst vor sozialer Ausgrenzung nicht offen mit ihrer Infektion umgehen. Schlimmer ist noch, dass viele gar nicht erst den Weg zum Arzt gehen und sich testen lassen. So wird trotz vieler Kampagnen und guter Aufklärungsarbeit in Sachen Prävention das Virus unbemerkt vom Einem zum Nächsten getragen. Die fehlende Kommunikation in diesem Feld, bringt uns dazu, immer noch die Meinung sowie Unsicherheit und Ängste zu bilden, wie es vor 30 Jahren der Fall gewesen ist. Die Deutsche Aids Hilfe e.V. versucht mit ihrem Buddyprojekt „Sprungbrett“ dem Ganzen entgegenzuwirken indem Menschen mit einer frischen HIV-Diagnose unterstützt werden und so den Anfang in ein neues Leben erleichtert werden soll. Auch andere Selbsthilfevereine rufen zur Akzeptanz von Menschen mit HIV auf. Die Initiative „positiv Handeln“ ist bereits einen Schritt weiter und versucht Menschen mit HIV aktiver in die Gesellschaft zu integrieren. Aber es scheint, als ob die Bemühungen der Betroffenen und ihrer Selbsthilfevereine, an einer Wand abprallen. Solange der Wissensstand und die Einstellung der allgemeinen Be­völkerung in Deutschland sich 30 Jahre in der Vergangenheit befinden, haben Be­troffene im Hier und Jetzt keine Chance ihrem Stigma zu entkommen.

Autorin: Julia Schwing

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