Kunden, Partner und Freunde von Hill+Knowlton Strategies miteinander ins Gespräch zu bringen, dies ist das Ziel der H+K Storylounge. Im Frühjahr diskutierten 40 Gäste über den Dächern Frankfurts mit Ernst Primosch, CEO & Chairman H+K, Dr. Henrik Humrich und Dr. Jan-Henning Wyen, Partner der Kanzlei Ego Humrich Wyen, über „Die neue Rolle des Aufsichtsrats als Kommunikator“. Hier finden Sie die essentiellen Thesen der Veranstaltung.

1. Kapitalmarkt und Öffentlichkeit erwarten von Aufsichtsräten mehr Kommunikation
Die Rolle des Aufsichtsrats hat einen erheblichen Wandel erfahren. Während der Aufsichtsrat früher vor allem als Überwachungsorgan im Hintergrund tätig war, wird er heutzutage vielfach als Element einer modernen und leistungsfähigen Unternehmensführung verstanden. Das zeigt sich insbesondere an dem weitaus größeren Aufgabengebiet, welches der Aufsichtsrat wahrnimmt, sowie an der Professionalisierung der Aufsichtsratsmitglieder und ihrer Arbeit.

Diese neue Rolle schlägt sich auch in dem Interesse des Kapitalmarkts und der Öffentlichkeit nieder: Regelmäßig suchen Investoren den Kontakt zu Aufsichtsräten, zumal nur sie die richtigen Ansprechpartner für einige zentrale Themen der Corporate Governance sind, wie etwa die Besetzung und Vergütung des Vorstands. Zudem rücken Aufsichtsräte immer stärker auch in den Blickpunkt der Medien. Daher wird das Image eines Unternehmens heute nicht nur maßgeblich von der Reputation des Vorstands geprägt, sondern auch durch die Wahrnehmung des Aufsichtsrats. Das gilt umso mehr in Krisenzeiten, in denen der Aufsichtsrat bisweilen eine besonders exponierte Rolle spielt.

All dies hat zu Forderungen nach einer eigenen Kommunikation des Aufsichtsrats geführt, die dem Interesse von Kapitalmarkt und Öffentlichkeit gerecht wird, die Meinungsbildung steuert und im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten bleibt. Dies entspricht bei einigen Unternehmen auch bereits der „gelebten Praxis“. Gleichwohl handelt es sich bei der Kommunikation des Aufsichtsrats in Teilen um einen rechtlichen Graubereich, in dem Risiken für Aufsichtsräte lauern.

2. Unternehmenskommunikation des Aufsichtsrats ist ein juristisches Minenfeld
Es ist rechtlich lebhaft umstritten, ob und in welchem Umfang der Aufsichtsrat nach der Kompetenzordnung der Aktiengesellschaft zur Unternehmenskommunikation mit der Öffentlichkeit und Investoren befugt ist. Nach traditioneller Auffassung fällt die Kommunikation in die alleinige Kompetenz des Vorstands. Demgegenüber ist der Aufsichtsrat nach moderner Auffassung zumindest berechtigt, über Themen zu kommunizieren, für die er allein verantwortlich ist. Dem hat sich die Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex am 7. Februar 2017 angeschlossen. In der beschlossenen Änderung des Kodexes regt sie an, dass der Aufsichtsratsvorsitzende in angemessenem Rahmen bereit sein sollte, mit Investoren über aufsichtsratsspezifischen Themen zu sprechen. Die Rechtslage wird hierdurch indes nicht geklärt, da der Kodex über keine rechtliche Autorität verfügt. Nachdem es auch an einer gefestigten Rechtsprechung zu dieser Thematik mangelt, ist die Frage nach der Kompetenz des Aufsichtsrats zur Kommunikation vielmehr rechtlich weiter offen. Darüber hinaus ist auch zweifelhaft, ob zur Wahrnehmung von Kommunikationsaufgaben im Ausgangspunkt der Aufsichtsrat als Gremium oder der Aufsichtsratsvorsitzende zuständig wäre.

Um Haftungsrisiken zu vermindern, sollten Aufsichtsräte sich zunächst eine fundierte Meinung zu der Frage bilden, wie weit im Allgemeinen der Aufsichtsrat und im Besonderen der Aufsichtsratsvorsitzende zur Kommunikation befugt ist. Hierfür kann die Einholung internen oder externen Rechtsrats hilfreich sein. Zu empfehlen ist darüber hinaus, dass sich der Aufsichtsrat zum einen mit dem Vorstand und zum anderen intern über die Zuständigkeit für die Kommunikation abstimmt; eine echte Zuständigkeitsübertragung zwischen den Organen scheidet allerdings aus. Darüber hinaus dürfte es in den meisten Fällen anzuraten sein, dass sich der Aufsichtsrat über den Inhalt seiner Kommunikation mit dem Vorstand im Vorhinein einigt (one voice policy). Freilich besteht hierfür bisweilen kein Raum, beispielsweise wenn es um die Kommunikation zu angeblichen Pflichtverletzungen von Vorstandsmitgliedern geht.

Bei der Kommunikation des Aufsichtsrats sind darüber hinaus die allgemeinen, ebenfalls haftungsbewehrten Grenzen der Unternehmenskommunikation zu beachten. Das betrifft insbesondere das Verbot Insiderinformationen zu offenbaren, das Gebot der Gleichbehandlung von Aktionären sowie die Einhaltung der Verschwiegenheitspflicht von Aufsichtsratsmitgliedern.

3. Aufsichtsräte sollten vorsorglich kommunikative Profilbildung betreiben
Im Gegensatz zur Unternehmenskommunikation ist die persönliche Profilbildung von Aufsichtsräten nicht nur rechtlich unbedenklich, sondern aus einer kommunikativen Perspektive sogar geboten. Ein klares Profil des Aufsichtsratsvorsitzenden ist vor allem im Fall einer Unternehmenskrise wertvoll. Wenn Kapitalmarkt und Öffentlichkeit den Aufsichtsratsvorsitzenden kennen und seiner Kompetenz vertrauen, eröffnet das für ihn und sein Unternehmen weitere Handlungsmöglichkeiten. Einem unbekannten Aufsichtsratsvorsitzenden bleiben diese Optionen versagt. Er würde in der Krise eher als ein weiterer Unsicherheitsfaktor wahrgenommen werden. Für seine Profilierung ist es dann allerdings zu spät. Daher treffen Aufsichtsräte zunehmend Vorsorge. Nicht zuletzt profitieren sie und ihre Unternehmen von dieser Investition auch in „normalen“ Zeiten. Denn ein kompetenter Aufsichtsrat zahlt mittlerweile ebenso wie ein qualifizierter Vorstand auf die Reputation eines Unternehmens ein. Gleichwohl steht die strategische Profilierung von Aufsichtsräten heute noch am Anfang.

Das Whitepaper zur Veranstaltung finden Sie hier zum Download.

Über die Autoren:
Ernst Primosch, CEO & Chairman H+K
ernst.primosch@hkstrategies.com

Dr. Henrik Humrich, Partner EGO HUMRICH WYEN
henrik.humrich@ehw-partners.com

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