Es wird viel geredet in großen Unternehmen. Doch was kommt dabei tatsächlich herum? Bereits vor zwei Jahren machte die Unternehmensberatung Bain darauf aufmerksam, dass die Führungsriege eines durchschnittlichen Konzerns rund 7.000 Stunden im Jahr in Konferenzen verbringt. Von 40 Wochenstunden entfallen im Schnitt 21 für Meetings und Absprachen. Bei lauwarmem Kaffee und Plätzchen aus der Gratis-Zugabe-Dose vom Büroartikel-Lieferanten entsteht meist wenig nutzbarer Output. Denn allzu oft entpuppen sich Konferenzen als unstrukturiert, ausufernd und langweilig.

Stehen, walken, wandern?

Inzwischen gibt es viele kreative Ansätze, die Konferenzen effizienter machen sollen. Google-Gründer Larry Page geht die Sache einfach an. Mit ihm dauert keine Konferenz länger als 50 Minuten. Maximal zehn Teilnehmer sind erlaubt. So soll möglichst wenig Zeit vertrödelt werden. Arbeitspsychologen schätzen den effizienten Zeitrahmen noch enger ein: Schon nach 20 Minuten erreichen wir eine Aufmerksamkeitsgrenze. Danach schalten wir ab, tippen auf dem Smartphone herum oder sind in Gedanken bereits im bevorstehenden Urlaub. Weitere Trends schwappen aus den USA zu uns herüber. Die Konferenz im Stehen und das Walking-Meeting haben sich im kreativen Kalifornien längst durchgesetzt. So wandern Facebook-Gründer Mark Zuckerberg oder Twitter-Chef Jack Dorsey regelmäßig mit Mitarbeitern durch die großzügigen Dachgärten ihrer Firmenzentralen. Die Mischung aus Bewegung und Gespräch fördert die Kreativität und bringt mehr Ideen zu Tage heißt es.

Große Konferenzen als gemeinsamer Innovationspool

Natürlich ist bei einem Walking-Meeting die Teilnehmerzahl beschränkt, will man sich nicht gegenseitig auf die Füße treten. Große Fachkonferenzen brauchen daher andere Ansätze. Einzelne Vorträge nach einer festen Agenda mögen zwar nützliche Impulse liefern, doch hemmt dieses Vorgehen die Innovationskraft und Kreativität der Gruppe. Denn wenn eine Person redet, verleitet das andere dazu sich zurückzulehnen. Fertige Lösungen bringen niemanden weiter. Ziel moderner Ansätze ist es, Konferenzteilnehmer miteinander ins Gespräch zu bringen, Diskussionen zu fördern und gemeinsam an belastbaren Ergebnissen zu arbeiten. Erleben wir also demnächst das Ende der klassischen Fachkonferenzen? Denken Sie demnächst nicht an ein Zeltlager wenn Sie die Einladung zu einem „Barcamp“ erhalten. Und auch im „Fishbowl“ erwarten Sie keine Zierkarpfen. Ein kleiner Vorgeschmack dessen, was uns erwartet:

  • Barcamp: Hier bestimmen die Teilnehmer selbst, worüber Sie zu einem Oberbegriff diskutieren möchten. Es gibt weder eine Tagesordnung noch feste Referenten. Jeder ist eingeladen, Vorschläge zu unterbreiten. So sollen verschiedene Sichtweisen auf ein Thema zur Erkenntnis aller Beteiligten beitragen. Nach einer kurzen Abstimmungsrunde dauern die Vorträge etwa 20 Minuten. Besonders wichtig: Hierarchien werden konsequent ignoriert. Aus dem förmlichen „Sie“ wird ein direktes „Du“.
  • Fischbowl-Diskussion: Die Teilnehmer stellen sich in einem inneren und einem äußeren Kreis auf. Innen wird zunächst eine wichtige Fragestellung diskutiert. Die Teilnehmer im äußeren Kreis sind stille Beobachter und sind von Zeit zu Zeit eingeladen, Kommentare über das Geschehen einzuwerfen. Auf diese Weise soll die Meinungsbildung und Differenzierung von Standpunkten selbst dann noch möglich sein, wenn die Teilnehmerzahl zu groß ist, um jeden zu Wort kommen zu lassen. Besonders hilfreich ist die Fishbowl-Methode, wenn das Wissen von Experten einem breiten Plenum zur Verfügung gestellt werden soll.
  • World Café: Die Kleingruppenarbeit, wie wir sie aus der Schule kennen, hält auch in Konferenzen Einzug. Die Teilnehmer diskutieren zwei Fragestellungen in drei Diskussionsrunden von je 20 bis 25 Minuten. Nach jeder Runde wechseln die Teilnehmer die Tische und arbeiten in einer neuen Zusammensetzung weiter. An jedem Tisch verbleibt ein „Gastgeber“ und präsentiert jeweils das Ergebnis der Vorgruppe. So werden die Erkenntnisse der Konferenz über alle Arbeitsgruppen hinweg verdichtet und verknüpft.

Wer nun doch an der guten alten Präsentation hängt, der sollte einmal „Pecha Kucha“ ausprobieren. Aus dem Japanischen übersetzt, bedeutet diese Art des Vortrags in etwa so viel wie „Plaudern“. Ein Pecha Kucha Vortrag besteht aus 20 Bildern á 20 Sekunden. Kein Text, keine Diagramme. Nach 6 Minuten und 40 Sekunden ist Schluss. Eine gute Übung, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Autor:
Christian Salmen, Junior Account Executive

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