In letzter Zeit schon mal was von Virtual Reality (VR) gehört? Man muss kein großer Analyst sein, um zu erahnen, dass die Antwort „Nein“ an dieser Stelle sehr unwahrscheinlich ist. Geht man jedoch einen Schritt weiter und fragt, was sich genau hinter dem Begriff verbirgt, werden die Antworten schon zögerlicher. Kurz zusammengefasst, für alle, die sich mit dem Thema noch nicht ausführlich beschäftigt haben: Innerhalb einer virtuellen Welt werden bildhafte, der wahren Realität sehr nahe, Situationen, Räumlichkeiten, Landschaften etc. geschaffen. In dieser computergenerierten Welt können verschiedene Sinneseindrücke wie Geruch, Sehen, Geräusche und Berührungen dargestellt werden. Damit werden Nutzer direkt in eine, der realen Welt sehr ähnlichen, geschaffenen Realität mit allen Sinnen reinversetzt und durchleben damit fiktive Situationen oder Handlungen. Ein Endspiel der Fußball EM des letzten Jahres hautnah im Stadion erleben ist damit kein Problem mehr.

Fakt ist: VR ist die Zukunft! Ob im Journalismus, der Medizin, Telekommunikation oder im Entertainment-Bereich — die Erwartungen sind groß und man spricht sogar von Revolution. Doch so glorreich auch die Lobeshymnen sind, dürfen die Pragmatiker unter uns auch anmerken, dass so viel technologisches Potenzial auch Verantwortung bedeutet.

Keine Grenzen und ganz nah dran
Was genau bedeutet das für jeden einzelnen? Ein Erfahrungsbericht in der Washington Post zeigt, wie weit die Empathie-Reise mit VR gehen kann. In einem Selbstversuch erlebt der Redakteur in der virtuellen Welt, was es bedeutet, kein eigenes Dach über dem Kopf zu haben. Die Reise in ein anderes Leben beginnt damit, zunächst seine eigenen Rechnungen nicht bezahlen zu können. Schnitt, nächste Szene: Ein Polizist klopft an die Scheibe und warnt, dass es nicht gestattet ist, im Fahrzeug zu übernachten. Keine eigenen vier Wände und vier Räder mehr, was kommt nun? Die Perspektive ändert sich und der Avatar sitzt in einer Buslinie mit anderen Gleichgesinnten zusammen, die dasselbe Schicksal teilen und „genießt“ drei Stunden Schlaf bis die Endstation erreicht ist und der Busfahrer sie bitten, muss zu gehen.

Das hier dargestellte Experiment ist nur eines von vielen, die an wissenschaftlichen Einrichtungen genutzt werden, um die Möglichkeiten von Virtual Reality im Bereich der Empathie-Forschung auszuschöpfen. Doch zurück zur Metaebene und weg vom Endverbraucher: Was heißt das nun genau für alle VR-Verantwortlichen?

Nicht nur Hersteller müssen sich der Verantwortung bewusst sein
Übelkeit und Schwindelgefühl bei schlechter Übertragung oder pixelhafte grafische Darstellung stören nicht nur das Kundenerlebnis, sondern können auch zu gesundheitlichen Schäden führen. Natürlich investieren Hersteller hier verstärkt in Forschung und Entwicklung, um genau das zu vermeiden und die bisher auch erfolgreich. Aber auch die psychische Ebene darf nicht nur auf die Verantwortung jedes Einzelnen übertragen werden. Im Gegensatz zur Realität existieren innerhalb der VR-Welt keine Grenzen. So ist jeder Nutzer nicht nur ganz nah am Geschehen, sondern mittendrin: für ein paar Minuten obdachlos sein, einen Streit aus der Perspektive des eigenen Kindes erleben oder eben auch den eigenen Hochzeitstag aus dem Blickwinkel eines Gastes nochmal feiern.

Ein VR-Erlebnis schafft Emotionen und diese sind bekanntlich der Treiber jedes einzigartigen Kundenerlebnisses. Emotionale Ansprachen sind in der Werbe-und Marketingforschung schon längst in den Arbeitsalltag übergegangen und so wie es auch bei bisherigen Crossmedia-Kampagnen Standard ist, erfordert der Einsatz von VR in der Kommunikationsbranche ein hohes Maß an Empathie. Erst der verantwortungsvolle Umgang mit VR entfaltet das komplette Potenzial, denn wer seine Kunden und Zielgruppen nicht nur kennt, sondern auch versteht und sich kümmert, gewinnt.

Autorin:
Adele Stoppel, Account Executive
Adele.Stoppel@hkstrategies.com

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