Killerkeime, Antibiotikakrise und MRSA: Diese Schlagwörter liest man immer wieder in den Tageszeitungen und denkt dabei an Massentierhaltung, Infektionen aus anderen Teilen der Welt oder den EHEC-Vorfall vor rund fünf Jahren, entfernte Ereignisse also. Doch das Thema ist auch bei uns aktueller denn je:

  • 2015 sind allein in Deutschland etwa 15.000 Menschen an den Folgen einer Krankenhausinfektion durch resistente Erreger gestorben
  • Jährlich infizieren sich 400.000 bis 600.000 Menschen in Krankenhäusern, Tendenz steigend

Resistente Erreger sind also ein akutes Problem, welches bald für mehr Tote sorgen könnte als Krebs, eine Lösung muss deswegen schnellstens gefunden werden.

Doch wie entstehen Resistenzen?

Eigentlich leben Bakterien überall in unserer Umgebung und helfen uns sogar bei der Verdauung. Zu viele Bakterien an einem Ort allerdings, zum Beispiel auf den Schleimhäuten, richten Schaden an. Im Normalfall werden die Erreger dann von unserem Immunsystem oder durch die Einnahme von Antibiotika bekämpft.

So weit, so gut. Das Problem ist nur, dass Bakterien nicht nur überall sind, sie haben auch absolut kein Rückgrat und verändern ständig ihr Erbgut. Diese Veränderungen treten vermehrt unter Stress (z.B. durch ein Antibiotikum) auf. Meistens passiert nichts, ganz selten jedoch bildet der Erreger Abwehrmechanismen gegen das Medikament und wird resistent.

Zurzeit kann bei einer Resistenz noch auf andere Antibiotika ausgewichen werden. In den letzten Jahren steigt jedoch durch den massenhaften Einsatz der Wirkstoffe die Zahl resistenter Bakterien drastisch an.

Doch: Die globale Krise ist lösbar, es müssen lediglich zwei Schritte umgesetzt werden.

Aufklären der Bevölkerung

Der persönliche Umgang mit Antibiotika spielt eine große Rolle bei Resistenzentwicklungen, frühzeitiges Absetzen eines Medikaments etwa fördert die Entstehung. Dieser Zusammenhang ist jedoch erschreckend unbekannt: Eine Umfrage der Aufklärungsinitiative „Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information & Kommunikation“ (RAI) im Jahr 2015 hat ergeben, dass 58% der Deutschen nicht um den eigenen Einfluss auf bakterielle Resistenzen wissen.

Problem: Das bisher verfolgte Informationskonzept setzt vor allem auf analoge Medien mit (offensichtlich) geringer Reichweite, neue Strategien werden dringend benötigt. Besonders die Schnittstelle zwischen fachlicher Expertise und dem Anwender muss optimiert werden, Kommunikationsspezialisten als Bindeglied können hier helfen. Der Einsatz von neuen Medien ist sinnvoll, um zum Großteil der Bevölkerung durchzudringen und ihn nachhaltig zu informieren.

Wirkstoffentwicklung vorantreiben

Neben der Aufklärung über den richtigen Umgang mit Antibiotika spielt auch die Wirkstoffforschung eine entscheidende Rolle bei der Lösung der Antibiotikakrise.

RAI ist ein Teil der „InfectControl2020“, einer Forschungskooperation zur Entwicklung neuer Antibiotika. Diese sog. „4. Generation“ wirkt auch gegen resistente Erreger. Auch der G7-Gipfel hat die Brisanz des Themas erkannt und setzte im September die Entwicklung neuer Antibiotika auf seine Agenda. So sollen Anreize für die pharmazeutische Forschung gesetzt werden.

Antibiotikaresistenzen auf die Agenda heben

Es muss also jetzt darum gehen, durch effiziente Information für die nachhaltige Anwendung in der Bevölkerung zu sensibilisieren, damit die zukünftigen Antibiotika auch lange wirksam bleiben.

Denn das Problem der „Killerkeime“ ist nur zu bekämpfen, wenn die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Initiativen wie der „InfectControl2020“ durch eine sachgemäße Anwendung ihre Wirkung entfalten können.

Unser Autor Maximilian ist derzeit Praktikant im Frankfurter Healthcare-Team.

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