Bei dem Begriff Startup kommen einem vermutlich sofort Ausdrücke wie „Macbook im Starbucks“, „Ich hab da so’n Projekt“ oder ganz böse: „Wannapreneur“ in den Sinn. Doch ist wirklich jeder Gründer nichts weiter als eine Ich-AG, die viel Kickstarterkapital verbrennt? Mitnichten!

Denn auch in der Biotechnologie und Pharmazie ist der „entrepreneurial spirit“ angekommen und paart dort unkonventionelle Ideen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen, eine Verbindung die in Zukunft zum Beispiel Erbkrankheiten heilen oder das Zika-Virus ausrotten könnte.

Doch der Ursprung der Kreativität hat auch seine dunklen Seiten: Frei nach dem Motto „Not macht erfinderisch“ ist die Unkonventionalität zumeist finanziell begründet, dafür sorgen hohe Entwicklungskosten (für ein Biopharmazeutikum werden ~ 1,2 Mrd. Euro fällig), die nicht einmal einen return of investment versprechen können, da lediglich 30% der Präparate eine Zulassung erhalten.

Die Möglichkeiten dieser neuen Entwicklungen sind riesig
Die erwähnte Bekämpfung des Zika-Virus basiert beispielsweise auf der CRISPR/Cas9 — Methode, diese wurde erst 2012 wissenschaftlich dokumentiert. Im Prinzip handelt es sich dabei um die präzise Bearbeitung der DNA mittels einer „Genschere“. Diese kann entweder Gene für eine Krankheit ausschneiden oder auch neue Gene einbringen, was vor allem für die Pflanzenzüchtung interessant ist.

Da dieses Genome Editing Verfahren die Lösung für eine unvorstellbare Zahl an Krankheiten und Problemen auf der Welt sein kann, sind entsprechend viele Firmen daran interessiert, darunter auch viele Startups. Diese wurden vornehmlich von Wissenschaftlern gegründet, die selbst die Anwendbarkeit von CRISPR/Cas9 auf eine bestimmte Krankheit untersucht haben, gute Ergebnisse erzielen konnten und diese jetzt zur Marktreife bringen wollen.

Die Finanzierung solcher Startups gestaltet sich schwierig. Denn auch wenn die ersten Startschwierigkeiten behoben sind, muss sich ein Unternehmen behaupten, wenn es nicht ab einer gewissen Entwicklungsstufe einfach aufgekauft werden will. Diejenigen Gründer die sich alleine durchschlagen wollen, sehen sich mit unendlichen Finanzierungsrunden, Businessplanwettbewerben und Ausschreibungsfristen konfrontiert. Eine weitere Möglichkeit sind Business Angels, die neben einem bestimmten Investitionsvolumen auch eigene Erfahrungen und Kontakte mit einbringen. Doch auch diese wollen überzeugt werden (Stichwort Elevator Pitch!).

Kommunikation? Kein Geld!
Gute Ideen haben die meisten, viele davon könnten die Welt verändern. Doch die Mittel sind begrenzt und ein Investor will vor allem über seine Risiken und möglichen Renditen informiert sein. Junge Wissenschaftler mit Unternehmergeist wollen wiederum nicht einfach Moleküle oder Therapien finden, die dann ein anderer vermarktet. Sie wollen die Entwicklung selbst in die Hand nehmen und Einfluss auf die Zukunft haben. Damit sich diese beiden Parteien auf gemeinsamem Boden treffen können, ist eine klare Definition der aktuellen Lage und zukünftigen Ziele unerlässlich.

Es erscheint angesichts der finanziellen Herausforderungen zunächst irrsinnig, noch Geld für Kommunikationskonzepte und public relations aufzuwenden. Doch gerade in diesem Bereich bietet sich die Chance, durch eine professionelle Außenwirkung Investoren zu überzeugen und gleichzeitig eine Investition in die eigene Zukunft zu tätigen.

Denn welcher Gründer denkt schon daran, vor dem entscheidenden Pitch ein Medientraining zu absolvieren? Oder baut in seine Präsentation ein strategisches Konzept ein, dass die weitere Firmenkommunikation beleuchtet und gleichzeitig das unternehmerische Denken des Entrepreneurs betont?

Autor:
Maximilian Nisslein

Privacy Policy

We have updated our Privacy Notice for this website. Please click below to review.

View Privacy Policy