Letzten Donnerstag ging es bei uns rund im Berliner Hill+Knowlton Büro — nicht nur aufgrund des Sturms Xavier, der durch die Häuserschluchten rauschte, sondern auch, weil wir unsere Räume abends für eine besonders aufregende Branche zur Verfügung stellen durften: die Berliner Fashiontech Community. Initiiert von Thomas Gnahm von Wear It Berlin, fand bei uns diesmal das monatliche „Technology and FashionTech Meetup“ statt. Thema des Abends: „Making tech fashionable: Approaches by makers and fashionists”. Lässt sich nichts gegen sagen.

Gelauscht wurden unter anderem Vorträgen von den Designerinnen Layla Müller und Rebeca Duque. Layla de Mue sprach über den Einfluss von Sound auf Textilien und stellte in diesem Zusammenhang ihre Kollektion „The Syma Line“ vor. Die Kollektion zielt darauf ab, die Symbiose zwischen Musik, Mode und Wissenschaft zu erforschen und zeigt den Beweis dafür, wie Klang und Frequenzen die physische Welt beeinflussen. Das Handwerk hierfür eignete sie sich im Studio von Berlins berühmtester FashionTech-Schmiede ElektroCouture — mittlerweile The PowerHouse — an.

Rebeca Duque beleuchtete FashionTech hingegen aus einer etwas anderen Richtung. Die Brasilianerin ist Architektin, Designerin und Projektkoordinatorin des Olabi Makerspace, wo sie Kurse, Workshops und Events über Wearables und anderen Technologien entwickelt hat. Ihr Projekt „Wearable as Manifest“ beleuchtet das Potenzial von Wearables als Werkzeug, um explizite Statements zu setzen — nur eben nicht mit Worten, sondern mit Licht. Beispielsweise in Form von Taschen, auf denen mit Neonschläuchen Wörter oder ganze Sätze stehen. Kein modisches Politikum, sondern ein politisches Modikum sozusagen.

Apropos Statements. Diskutiert wurde an diesem Abend eifrig: über den jetzigen Stand der FashionTech-Industrie und dessen Potenziale, über die leider mitunter noch hemmende Selbstabschottung der Modebranche und deren fehlendes Tech-KnowHow, über infrastrukturelle Herausforderungen, die zwangsläufig existieren, wenn sich eine Branche innerhalb weniger Jahre selbst komplett neu aus dem Boden stampft — da rauscht der Wind auch gerne mal durch den deutschen und europäischen Normendschungel. Vor allem aber wurde auch gesprochen über die leider oftmals noch schwach ausgeprägte Verbraucherakzeptanz von FashionTech-Produkten. Die Vorstellung von FashionTech ist in vielen Köpfen halt noch exotisch. Spannend, ja, aber eben exotisch.

Dank Feedbacks der Teilnehmer wurde deutlich, woran es oftmals gerade seitens der Konsumenten bezüglich FashionTech hier und da noch mangelt: dem Verständnis davon, dass Ansätze in diesem Bereich längst nicht mehr „nerdig“, sondern schlicht und ergreifend die Zukunft sind. Die Zukunft dessen, wie wir kommunizieren, wie wir Daten sammeln und gewinnbringend nutzen, wie unsere Haut und unser Körper — beispielweise im Falle von smarten Textilien — buchstäblich Teil der Digitalisierung unserer Lebenswelt werden werden. Klingt gruselig, ist es bei genauerem Hinsehen aber ganz und gar nicht.

Was es hier für die öffentliche Wahrnehmung braucht, sind Beispiele, eine gehörige Portion Aufklärung und vor allem einflussreiche Zugpferde, die vormachen, dass „praktisch“ in der Modewelt nicht zwangsläufig uncool sein muss — ein Aspekt, der für die Kommunikation relevanter ist, als man auf den ersten Blick vermutet, vor allem bei enorm trend- und stilbewussten Zielgruppen. Eine wesentliche Aufgabe der Kommunikation ist es (unter anderem) zu zeigen, dass die Technisierung von Mode, und sei sie noch so subtil, stylish und begehrenswert sein kann. (Denn: Was bitte ist an diesen auf dem Meet-Up gezeigten Bags von Funkelfetisch nerdig?!) FashionTech-Unternehmen müssen die Codes und Kriterien der Modewelt versteht, das ewige Dilemma zwischen individuellem Expressionismus und dem Wunsch, trotzdem zu einer bestimmten Gruppe dazuzugehören. Gleichzeitig darf bei der Kommunikation die Funktion, der Mehrwert des Produkts, nicht komplett in den Hintergrund geraten.

Eine spannende Aufgabe für die PR, eine spannende Aufgabe für Kommunikationsagenturen. Wir freuen uns darauf mindestens genauso sehr, wie auf das nächste Meetup!

Autorin:
Hannah Roericht, Senior Advisor Lifestyle & Technology
hannah.roericht@hkstrategies.com
Fotos von: Wear It Berlin GmbH, www.wearit-berlin.com