Man möchte meinen, dass die Diskussionen um den Mangel an Frauen in Führungspositionen und Vorständen heutzutage nicht mehr zeitgemäß ist. Man kann es eigentlich schon nicht mehr hören, gibt es doch schon so viele kluge und hilfreiche Berichte und Initiativen, die Frauen Unterstützung und Tipps geben sowie Mut zusprechen, auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, sich eine Scheibe von den Männern abzuschneiden und allgemein in der Gesellschaft ein Umdenken angeregt haben.

Trotzdem möchten wir dieses Thema auch auf unserem Blog erneut aufgreifen, denn trotz alledem stellen wir selbst in unserem Arbeitsumfeld fest, dass das Thema aktueller denn je ist. Und dass, obwohl wir davon ausgegangen sind, eine moderne, aufgeschlossene und emanzipierte Unternehmenskultur zu pflegen.

Es geht nämlich nicht einfach darum, Mut zuzusprechen, tolerant und aufgeschlossen zu sein oder den „Ladies“ den Vortritt zu geben – es erfordert vielmehr ein flächendeckendes Umdenken aller Beteiligten und das erfordert eben auch, dass Männer in die Diskussionen eingebunden werden, was viel zu oft eben auch nicht geschieht. Die wahren Gründe für die Barrieren, die nicht mehr so präsent aber nach wie vor existent sind, zeigen sich in vielen, ganz unterschiedlichen Bereichen – von denen heute hier nur einer besonders beleuchtet werden soll.

Verlieren oder Gewinnen?

Der Umstand, dass Frauen in Führungspositionen immer noch so selten sind, wie Pandabären in der Natur, aber besonders Panda-Weibchen trotz ihres possierlichen Äußeren nicht minder durchsetzungsstark, war der Namensgeber einer interessanten Initiative, die 2013 von Isabelle Hoyer und Stuart B. Cameron ins Leben gerufen wurde. Das PANDA Netzwerk veranstaltet seitdem regelmäßig Workshops, Netzwerk-Veranstaltungen und den jährlich stattfindenden und bereits sehr beliebten Wettbewerb, den PANDA The Women Leadership Contest. Dieser Wettbewerb hat neben herausfordernden Aufgaben um am Ende eine Gewinnerin zu küren, vor allem dem Zweck, Frauen mit dem Willen und der Eignung für eine Führungskarriere zu fördern und mit Unternehmen zusammenzubringen, die gezielt nach weiblichen Führungsnachwuchs suchen. Dabei gewinnen alle Beteiligten – anders als es viele Frauen sonst empfinden, wenn es darum geht, sich im professionellen Umfeld mit anderen, also z.B. auch mit Männern zu messen.

Diverse Studien haben gezeigt, dass es Frauen in der Regel widerstrebt sich in den Wettbewerb zu begeben, selbst wenn sie höhere Qualifikationen vorweisen können oder mehr Erfahrung haben, als ihre Mitstreiter. Eine Erhebung von Gneezy et al. zeigte, dass sich die durchschnittliche Leistung von Frauen und Männern im Wettbewerb mit Teilnehmern des gleichen Geschlechts kaum unterschied, während die Leistung von Frauen in direkter Konkurrenz zu Männern deutlich zurück blieb. Ein Grund dafür könnte sein, dass Frauen im direkten Wettbewerb mit Männern ihre Fähigkeiten unterschätzen. Männer konkurrieren zu viel, Frauen am liebsten gar nicht.

Eine Studie der Aalto-Universität Helsinki belegt, dass Männer im Gegensatz zu Frauen Wettbewerbssituationen emotional positiver erleben als Momente, in denen sie kooperieren müssen. Männer berichteten von mehr positiven Emotionen unter Wettbewerbsbedingungen als in kooperativer Zusammenarbeit. Bei Frauen hingegen zeigte sich dieser Unterschied nicht.

Nun ist der Wettbewerb und Konkurrenzdruck leider nicht nur Bestandteil eines Jobs in der Führungsetage, oftmals bedingt der Weg in eine eben solche Position nun mal, dass man sich mit anderen messen muss, ohne plötzlich seine Fähigkeiten zu unterschätzen.

Herausforderungen annehmen und Potentiale erkennen

Was auch immer dem zugrunde liegt, Evolutionsbiologie oder Klischee-Denken (vor dem auch wir Frauen nicht gefeit sind), Fakt ist, dass viele Frauen dazu tendieren, die Kraft der Kooperation zu nutzen und Synergien zu schaffen. Nicht von ungefähr sind Frauen die besseren Teamplayer, führen mit Verständnis und nutzen ihre empathischen Fähigkeiten zu ihrem Vorteil. Eigenschaften, die von Mitarbeitern an ihren Vorgesetzten ganz besonders geschätzt werden.

Sorgt der Wettbewerb nun für Selektion, wird dies mit einem Verlust oder dem Herabsetzen des Mitstreiters gleichgesetzt, der das Rennen nicht gemacht hat – was Frauen meist widerstrebt. Genau hier muss nun ein Umdenken stattfinden – und zwar auf beiden Seiten! Es geht nicht darum, einen Verlierer und einen Gewinner und damit potentiell besseren, stärkeren und klügeren Kandidaten zu identifizieren. Wettbewerb bedeutet Herausforderungen anzunehmen, daran zu wachsen, auf sich selbst zu vertrauen und vor allem – besonders im Falle der Niederlage – seine Potentiale zu erkennen! Damit kann man den Wettbewerb als Chance zu persönlichem und professionellem Wachstum und der Weiterentwicklung begreifen und damit den Weg ebnen, dass sich nicht nur mehr Frauen für die Rolle der Führungsperson geeignet sehen, sondern eine solche Position auch aktiv anstreben.

Über die Autorin:

Anny Elstermann, Senior Account Manager
Anny.Elstermann@hkstrategies.com

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