Interview mit Gabriele Kaminski

In der Branche kennt sie fast jeder: Gabriele Kaminski. Sie ist die geschäftsführende Gesellschafterin der GK-Personalberatung. Seit 1991 berät sie die größten Unternehmen und Agenturen und besetzt Toppositionen in allen Kommunikationsdisziplinen. Sie nahm sich die Zeit, Laura Ningelgen ein paar spannende Fragen zu beantworten.

Als eine der führenden Personalberatungen in Deutschland für Presse- und Kommunikationsberufe führen Sie fast täglich Interviews mit Kandidaten, die zuvor von einem Researchteam identifiziert wurden. Verraten Sie uns, worauf Sie bei Interviews besonderen Wert legen?
Während eines Interviews achte ich auf viele verschiedene Dinge. Auf der fachlichen Seite ist es wichtig, dass die Kandidaten eine hohe Kompetenz aufweisen und mit dem Anforderungsprofil des Kunden zusammenpassen. Außerdem gehe ich davon aus, dass die Kandidaten sich auf das Gespräch vorbereiten und sich mit dem Stellenprofil intensiv auseinandergesetzt haben. Auf persönlicher Ebene lege ich viel Wert auf Authentizität, ein glaubwürdiges Auftreten, eine gesunde Neugierde und Offenheit. Mir gefällt auch, wenn Kandidaten bestimmte Themen oder die suchende Organisation kritisch hinterfragen, um sich ein fundiertes Bild von der betreffenden Stelle zu machen.

Und was sind absolute No-Gos bei einem Interview?
Unpünktlichkeit, schlechte Vorbereitung und mangelndes Interesse zählen für mich zu den klassischen No-Gos. Aber auch ein “Überverkaufen” und eine überzogene Selbstdarstellung empfinde ich als negativ.

Eine Studie der Anwaltskanzlei Allen & Overy hat kürzlich gezeigt, dass über 75% der MDAX-Unternehmen für Vorstandspositionen eine Zielgrüße von 0% für den Frauenanteil festgelegt haben. In der Kommunikationsbranche arbeiten sehr viele Frauen. Denken Sie, die Kommunikationsindustrie kann anderen Branchen ein Vorbild sein?
Man muss differenzieren: Derzeit gibt es beispielsweise noch immer wenige Frauen aus der Kommunikationsbranche in Aufsichtsräten. Das ist sehr bedauerlich, da Kommunikationskompetenz in Aufsichtsräten meiner Meinung nach stärker vertreten sein sollte. Dies gilt aber gleichermaßen auch für Männer.

Innerhalb der Kommunikationsbranche gibt es in der Tat viele Frauen und gute Entwicklungsmöglichkeiten. Allerdings ist die Branche nur bedingt ein Vorbild. Die Top-Positionen sind auch hier überwiegend mit Männern besetzt. Blickt man beispielsweise auf die DAX30-Unternehmen, gibt es nur wenige Organisationen, in denen die Kommunikationsabteilung von Frauen geleitet wird — beispielsweise Allianz, E.ON, BASF.

Bewertungswebsites wie Kununu ermöglichen Mitarbeitern Bewertungen über den Arbeitgeber — und helfen Arbeitnehmern bei der Jobsuche mit ersten Einblicken in Unternehmen. Wie wichtig sind solche Bewertungsseiten einerseits für das Unternehmen, andererseits für den Arbeitnehmer?
Ganz klar: Bewerbungswebsites gewinnen an Bedeutung. Fast jeder Bewerber wirft einen Blick auf die Bewertungen der Unternehmen. Von daher wird Employer Branding und ein positives Bild des Unternehmens nach außen immer wichtiger. Allerdings darf man einzelne negative Urteile auch nicht überbewerten, da viele Kritiken sehr subjektiv und singulär sind und daher oftmals keine Rückschlüsse auf das gesamte Unternehmen zulassen. Aber wir registrieren sehr wohl, dass sich Rekrutierungsprozesse durch zahlreiche negative Bewertungen erschweren.

Warum ist es schwierig seniorige Berater für PR Agenturen zu finden? (z.B. Director Level, Managing Director Level)
Tatsächlich wechseln viele Berater nach einigen Jahren in der Agentur auf Unternehmensseite. Das hat aus meiner Sicht unterschiedliche Gründe: Erstens gibt es einfach nicht so viele relevante Führungspositionen in Agenturen. Zweitens sind verschiedene Fähigkeiten nötig, um die Rolle eines Directors oder Managing Directors adäquat auszufüllen: hohes Akquisitionstalent, Stärken in der Personalführung und detaillierte Kenntnisse betriebswirtschaftlicher Kenngrößen, um nur drei zentrale Faktoren zu nennen. Da wird der Pool interessanter Kandidaten ganz automatisch kleiner. Und drittens sind die Gehälter in Unternehmen in der Regel etwas attraktiver als auf Agenturseite.

Wir bekommen oft von Praktikanten die Frage gestellt, ob man einen Bachelor- und Masterabschluss absolvieren sollte, bevor man anfängt zu arbeiten. Was denken Sie?
Aus meiner Sicht bietet ein Masterabschluss eine profundere Basis für die Karriere, sofern die Rahmenbedingungen gegeben sind. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass der Masterabschluss das Gehalt steigert, teilweise bereits beim Einstieg. Aber hier muss jeder für sich entscheiden, ob er diesen weiteren akademischen Weg gehen möchte. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Alter. Nicht alle Kandidaten, aber viele sind nach dem Master schlicht reifer für den Arbeitsmarkt.

In Bezug auf die Ausbildung (Traineeship/Volontariat): Was sind die Vorteile und Nachteile von kleinen Agenturen im Gegensatz zu großen, internationalen Agenturen?
Beide haben Vor- und Nachteile: In großen und internationalen Agenturen gibt es wahrscheinlich vielfältigere Projekte, unterschiedliche Abteilungen mit spezifischen Schwerpunkten, größere Kunden und nicht zuletzt ein internationales Arbeitsumfeld.

In einer kleinen Agentur ist die Chance vielleicht höher, direkt in Projekte mit eingebunden zu werden. Allerdings hat die Größe einer Agentur erst einmal nichts mit der Qualität der Arbeit zu tun. Es gibt exzellente, kleine Agenturen, die auf einem hohen Niveau arbeiten und spannende Projekte bewältigen. Im Endeffekt kommt es auch auf die Persönlichkeit der Trainees an. Eine Frage, die sich Trainees daher stellen sollten: Fühle ich mich in einem familiären Umfeld oder in einem Konzernumfeld wohler?

Sie sehen sehr viele Kandidaten. Gibt es zentrale Unterschiede zwischen Kandidaten, die in Unternehmen ausgebildet wurden und Kandidaten mit einem Agenturhintergrund?
Prinzipiell kann ich zwischen beiden Ausbildungen keinen großen Unterschied feststellen. Sowohl die Unternehmen als auch die Agenturen bilden auf ihre Weise gut aus. Diejenigen, die in der Agentur ihre Ausbildung absolviert haben, sind eventuell ein wenig dienstleistungsorientierter und stressresistenter, aber auch das kann nicht pauschalisiert werden.

Digitalisierung und soziale Medien werden für Unternehmen immer wichtiger. Welche Hürden gilt es dabei auf Unternehmensseite zu überwinden und inwiefern kann eine Agentur den Wandel unterstützen?
Unternehmen sind in der Regel gut aufgestellt, wenn es um Digitalisierung geht. Nichtsdestotrotz kann eine Agentur durchaus kreativen Input leisten.

Wo sehen sie in der Kommunikationsbranche im Vergleich zu anderen Branchen Nachholbedarf?
Innerhalb der Kommunikationsbranche besteht auf Agenturseite im Bereich Human Resources Nachholbedarf. Dieser Bereich ist in Agenturen leider oftmals nicht so weit entwickelt wie auf Unternehmensseite. Häufig fehlen HR-Spezialisten und Personalentwicklungssysteme. Auch der Bereich Employer Branding ist im Vergleich zu Unternehmen vielfach deutlich ausbaufähig.

Die Fragen stellte Laura Ningelgen.

Privacy Policy

We have updated our Privacy Notice for this website. Please click below to review.

View Privacy Policy